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Kirche und Kloster

Die Legende vom Heiligen Jakob ist eng mit dem Berg Ararat verwoben. Im vierten Jahrhundert soll dieser Mann zum Berg der Sintflut gewandert sein, um die Arche Noah zu finden. Ein Engel Gottes habe ihn allerdings jedesmal, wenn er eingeschlafen ist, zurück zum Fuß des Berges gebracht, wo er dann wieder am Anfang seiner Klettertour aufgewacht sei. Jakob gab aber nicht auf und so gab ihm der Engel irgendwann aus Mitleid ein Stück Holz von der Arche.

Dieses Holz, eingefasst ihn einen vergoldeten Reliquienschrein, ist heute noch zu besichtigen. Eine genauere Untersuchung hat aber meines Wissens noch nicht stattgefunden. Das wertvolle Stück wird in der Kathedrale von Etschmiadsin aufbewahrt, 20 km westlich von der armenischen Hauptstadt Eriwan und etwa 50 km vom Berg Ararat entfernt.

Der Haken an der Sache ist nur, dass dieser Jakob der Bischof von Nisibis war. In der englischen Wikipedia heißt es (übersetzt): »Er war der erste Christ, der die Arche Noahs gesucht hat. Er behauptete, auf einem Berg, dem Cudi Dagh, ein Stück von ihr gefunden zu haben – in einer Region nahe Ararat, 70 Meilen von Nisibis entfernt.«

Einen weiteren Hinweis, dass es sich um den Cudi (Berg Kardu) handelte, gibt es hier: »Mor Augin ging daraufhin mit Mor Jakob von Nisibis zum Berg Kardu, wo die Arche Noah ans Land gegangen war. Dort errichteten sie ein Kloster und weihten es ein. Ein Engel zeigte ihnen ein Brett von der Arche Noah. Aus einem Teil dieses Bretts machte sich Mor Augin ein Kreuz und stellte es sich in sein Zimmer.« (Mor Augin, der heilige Eugenios; www.moraugin.com)

Auf Google Earth ist zu sehen, dass Nisibis tatsächlich nur 120 km vom Berg Cudi entfernt liegt.

Im Zusammenhang mit diesem Jakob lesen wir noch weitere interessante Dinge, z.B.: Die Legende des heiligen Schallita, des Apostels von Gordyene von ca. 330 n. Chr. »In Nisibis war damals Jacob Bischof, der mit Eugen und Schallita über den Bau einer Kirche in Nisibis berät. Jacob geht auf die Reise, um eine Kirche ›Beture Qardu‹, wo die Arche Noah‘s stehen geblieben, einzuweihen. Schallita begleitet ihn. Sie kommen zu einem Dorfe ›Sar-Dschudsch‹ am Fuß des Berges (Berg Cudi in arabisch) und dort befreit Schallita einen Knaben aus dem Rachen eines Drachen. Die Kirche wird eingeweiht und die frommen Männer kehren zurück, mit ihnen der gerettete Knabe, genannt ›Achi Merah‹, der Schüler des Schallita wird.«

Im Gegensatz zu dieser von mir neu entdeckten Einweihung der Kirche auf dem Cudi ist die spätere Zerstörung eines inzwischen zum nestorianischen Kloster ausgebauten Anwesens hinlänglich bekannt und wird in verschiedenen Quellen überliefert und zitiert. Im »Kloster der Arche« feierten die nestorianischen Christen immer wieder große Feste zur Ehre der Überlebenden der Sintflut.

Doch im Jahr 776 (einige wenige haben durch eine Unachtsamkeit 766, darunter Gertrude Bell) wurden Kloster und Kirche, zusammen mit einer Versammlung von Christen vernichtet. Und vielleicht ist damals die bis dahin noch sichtbar erhaltene Arche vollends vom Feuer verzehrt worden.

Die von allen zitierte Quelle ist Joseph Simonius Assemanns »Orientalische Bibliothek«, doch in der deutschen Zusammenfassung seiner Werke durch August Friederich Pfeiffer von 1776 fehlt diese Überlieferung und das Original konnte ich bisher nicht einsehen. In einer kommentierten englischen Koranausgabe von 1734 gibt George Sale die Stelle aus dem lateinischen Originalwerk Assemanns an, in der das Geschehnis des Jahres 776 beschrieben ist: Die Chronik des Jacobiten Patriarch Dionysii, Orientalische Bibliothek Teil 2, S. 113. In Pfeiffers deutscher Ausgabe findet sich im zweiten Abschnitt ab Seite 215 ein Kapitel über Dionysius I., einen jacobitischen Patriarchen seit dem Jahre 775. Darin stehen einige Informationen über ihn, aber die Geschichte mit dem abgebrannten Kloster ein Jahr danach hat Pfeiffer wohl nicht vom Original übernommen, bei seiner Akribie eigentlich nicht nachvollziehbar. Zwar verweist er hier (z.B. S. 218) auf die »Allgemeine Welthistorie«, trotzdem wird nicht klar, warum er das Ereignis nicht beschreibt.

In der schon zuvor zitierten Welthistorie heißt es hingegen: »Es war ehemals auf den carduischen Bergen ein berühmtes Kloster, welches das Kloster der Arche geheißen; allwo die Nestorianer auf eben demselben Platz jährlich ein Fest begangen, wo sie geglaubet, daß der Kasten geruhet habe. Allein, im Jahr Christi 776 wurde dieses Kloster samt der Kirche und einer zahlreichen darin befindlichen Versammlung vom Donner zerstöret. Seit welcher Zeit vermutlich das Ansehen dieser Überlieferung abgenommen, und einer andern Platz gemacht, die jetzt die Oberhand hat.« (Allgemeine Welthistorie, S. 232f)

Interessant ist, dass die Spuren, die in Google Earth auf dem Gipfel des Cudi zu erkennen sind, sich sehr gut dahingehend interpretieren lassen, dass dort oben ein großes Kloster in Form eines Schiffes gestanden sein könnte (Länge ca. 420 m), das die Überreste der Arche (Länge ca. 160 m) sogar in ihrer Ummauerung enthalten haben könnte. Sogar ein Kirchenschiff glaube ich unter den Umrissen zu erkennen. Die Ausrichtung dieser Kirche entspräche nicht der üblichen Ostung, sondern wäre annähernd exakt Richtung Jerusalem gerichtet.

Dass die syrische Überlieferung sich auf keinen Fall mit dem heutigen Berg Ararat zusammenbringen lässt, zeigt auch die syrische Bibelübersetzung »Peschitta«, die in der Syrisch-Orthodoxen Kirche von Antiochien und auch in der Assyrischen Kirche des Ostens gebräuchlich ist: Sie berichtet in Genesis 8,4 nicht vom »Gebirge Ararat«, sondern von den »Bergen von Kardo« (http://www.aramaicpeshitta.com/OTtools/LamsaOT/1_genesis.htm).


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