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Assyrien und Sanherib

Sanherib hat am Berg Cudi Felsreliefs erstellen lassen und wahrscheinlich eine Planke der Arche Noah mitgenommen

Den Zusammenhang zwischen der Geschichte des assyrischen Königs Sanherib und dem Berg Cudi hat vor allem David Rohl ausgearbeitet. Zusammen mit Bill Crouse habe auch ich mich ausführlich mit dieser Thematik beschäftigt.

Zunächst einmal gibt es hier eine verwirrende Vielfalt von Bezeichnungen, die mit der Silbe »Ni-« beginnen: Der Sintflutberg im Gilgamesch-Epos heißt Nizir, nach neuerer Übersetzung Nimusch. Sanherib erwähnt bei der Beschreibung seines Fünften Feldzugs einen Berg Nipur, auf dessen Gipfel er Städte(!) erobert hat. Dieselben Inschriften, wie auf dem sogenannten Taylor-Prisma, das den Feldzug schildert, befinden sich auf Flachreliefs direkt am Berg Cudi. L.W. King hat also den Cudi mit dem Berg Nipur gleichgesetzt. Auch Assurnasirpal hat einen Berg Nibur, der sich direkt am Tigris befindet. Die Schreibweise Nipur/Nibur unterscheidet sich in Keilschrift nur durch einen Punkt.

Interessant ist, dass die im AT erwähnte Gottheit Nisroch, die Sanherib nach seiner Rückkehr von der verlorenen Belagerung Jerusalems in Ninive anbetet, laut jüdischer Midrasch in Zusammenhang mit einem von Sanherib verehrten Stück der Arche Noah steht.

Hier nun der Abschnitt, in dem King den Nipur mit Cudi identifiziert: »Die Identifikation des Berges Nipur mit dem Judi Dagh ist zweifelsfrei. Vor allem, da die Inschriften am Berg sich nur auf die erste Hälfte der Fünften Kampagne beziehen, die gegen die befestigten Städte auf dem Berg Nipur gerichtet war. Und die Texte selber enthalten den eindeutigen Hinweis, dass sie auf dem Berg Nipur angebracht wurden.«

Keilschriftzeichen
Die assyrischen Zeichen für Nizir, Nipur und Nibur (von oben nach unten).

Wahrscheinlich hat der babylonische Geschichtsschreiber und Priester Berosus, der sicherlich das Gilgamesch-Epos mit seiner Sintfluterzählung gut gekannt hat, die Angaben an die zu seiner Zeit üblichen Ortsnamen angepasst. Josephus zitiert den im dritten vorchristlichen Jahrhundert lebenden Berosus und schreibt: »Es heißt, dass noch jetzt in Armenien auf dem Kordyäergebirge ein Teil jenes Fahrzeuges vorhanden sei, und dass manche Harz davon entnehmen, um sich desselben als Zaubermittels gegen drohende Übel zu bedienen.«

Im Gilgamesch-Epos selbst heißt es: »Das Schiff trieb nach dem Berge Nissir. Der Berg Nissir hielt das Schiff und ließ es nicht wanken.« Nach neuerer Übersetzung durch Prof. Dr. Stefan Maul heißt der Berg »Nimusch«. Diese Bezeichnung könnte später Berosus an die zu seiner Zeit üblichen Ortsnamen angepasst haben.

Sehr viel weiter bringt uns noch eine Aufarbeitung jüdischer Legenden durch Rabbi Louis Ginzberg als Ergänzung zu folgender Bibelstelle aus 2. Könige 19: »Und in dieser Nacht fuhr aus der Engel des HERRN und schlug im Lager von Assyrien hundertfünfundachtzigtausend Mann. Und als man sich früh am Morgen aufmachte, siehe, da lag alles voller Leichen. So brach Sanherib, der König von Assyrien, auf und zog ab, kehrte um und blieb zu Ninive. Und als er anbetete im Haus seines Gottes Nisroch, erschlugen ihn mit dem Schwert seine Söhne Adrammelech und Sarezer, und sie entkamen ins Land Ararat. Und sein Sohn Asarhaddon wurde König an seiner statt.« (2. Könige 19,35–37)

In den »Legenden der Juden von Louis Ginzberg heißt es: »Auf seiner Rückkehr nach Assyrien fand Sanherib eine Holzplanke, die er als ein Götzenbild verehrte, denn sie war ein Teil der Arche, die Noah von der Sintflut rettete. Er versprach, dass er seine Söhne opfern würde, wenn seine nächsten Unternehmungen gelingen würden. Aber seine Söhne lauschten seinem Gelübde. Sie töteten ihren Vater und flohen nach Kardu, wo sie zahlreiche jüdische Gefangenen befreiten. Mit diesen zogen sie nach Jerusalem und wurden Proselyten (d.h. sie konvertierten zum Judentum). Die berühmten Gelehrten Shemaiah und Abtalion waren Nachkommen dieser beiden Söhne des Sanherib.«

Zwei Folgerungen ergeben sich aus diesem Text:

  1. Ararat wird von den Juden aus damaliger Zeit mit Kardu gleichgesetzt: Dies wird auch von vielen jüdischen und frühchristlichen Schriften bestätigt.
  2. Eindeutig steht der biblische Begriff »Nisroch« hier in Zusammenhang mit der Überlieferung der Anbetung einer Holzplanke der Arche.

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