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Göbekli Tepe: Die Suche nach dem Garten Eden

Ein archäologischer Fundort fordert seit einiger Zeit Wissenschaft, Kirche und Öffentlichkeit heraus, ihr Verständnis vom Alten Testament zu überdenken. Im Kapitel »Genesis« wird im Buch »Bible Earth« der Ausgrabungsort Göbekli Tepe in der Türkei erwähnt (S. 47):

Interessant sind die Erforschungen im sogenannten Kerngebiet des Ackerbaus: Nahe Urfa und Haran in der heutigen Türkei liegt der Göbekli Tepe (deutsch: Nabelberg), der nach neuesten Erkenntnissen die älteste Tempelanlage der Welt enthält. Auf der Kuppe des kahlen Hügels standen einst dicht an dicht Heiligtümer, von denen der Archäologe Klaus Schmidt bereits vier ausgegraben hat. Die Standorte von sechzehn weiteren wurden mit Magnetometern ausfindig gemacht und sollen ebenfalls noch freigelegt werden. Nach den Vermutungen der Wissenschaftler sind die Tempel älter als alle menschlichen Dörfer überhaupt und sollen aus einer Zeit stammen, in der die Menschen sich noch nicht vom Ackerbau, sondern ausschließlich vom Jagen und Sammeln ernährten. Über die Religion, die dort ausgeübt wurde, ist noch nichts bekannt, gefunden wurde aber eine »Paradiesplakette« mit der Abbildung eines Baumes und einer Schlange. Die angebeteten Götter scheinen sich auch von den Götzen der Sumerer zu unterscheiden. Vielleicht wussten diese Gläubigen noch von dem einzigen Gott, der die Menschen als Mann und Frau im Garten Eden erschaffen hat, bevor sich in der frühen Zivilisation die in der Bibel erwähnte Abkehr von Gott ausgebreitet hat.

KOORDINATEN
Göbekli Tepe: 37.2233N, 38.9225E (die Koordinaten aus dem Buch liegen etwas daneben!)

Die Suche des »Spiegels«

Diese Entdeckungen werfen ein neues Licht auf die Anfänge der Menschheit und der Kultur. Die Funde werden auf 9500 v. Chr. datiert und kennzeichnen nach dem heutigen Stand der Wissenschaft den Beginn der Landwirtschaft und Nutztierhaltung: die so genannte »Neolithische Revolution«. Am 3. Juni 2006 veröffentlichte das Nachrichtenmagazin »Der Spiegel« unter der Überschrift »Die Suche nach dem Garten Eden« seine Titelstory. Der Autor des Artikels, Matthias Schulz, stellt provokante Fragen an die etablierte Wissenschaft: »Verbirgt sich hinter der Geschichte aus der Genesis eine historische Botschaft? Enthält sie einen steinzeitlichen Faktenkern?« Der Artikel bezieht sich auch auf den britischen Archäologen David Rohl, nach dessen Theorie sich das Paradies im Westen des Iran befunden haben soll. Der Spiegel schreibt: »All diese Edenflüsse [für deren Lokalisierung Rohl Erklärungen bietet] liegen im neolithischen Kerngebiet des Ackerbaus.« Zwar zeichnet Schulz viele Parallelen nach, doch schließt er mit diffusen Erklärungen über »das kulturelle Gedächtnis der Menschheit«, das »über Jahrtausende hinweg Stoffe speichern und weiterreichen« könne.

Ausstellung in Karlsruhe

Im Badischen Landesmuseum in Karlsruhe waren von Januar bis Juni 2007 Funde aus Göbekli Tepe und anderen Orten der Südtürkei ausgestellt, dazu Nachbildungen der Steinmonolithen. Diese Sonderausstellung zum Thema »Vor 12.000 Jahren in Anatolien – Die ältesten Monumente der Menschheit« wurde von 100.000 Menschen besucht. Die eindrucksvollen Tierabbildungen auf den Monolithen, die kunstvollen Steinfiguren aus Anatolien geben einen Einblick in das Leben in der Frühphase der Menschheit.

KOORDINATEN Karlsruher Schloss: 49.0140N, 8.4055E

Eine Diskussion zwischen Archäologen und Theologen

Gegen Ende der Ausstellung, am 14. Juni, lud der Direktor des Badischen Landesmuseums, Prof. Dr. Harald Siebenmorgen, zu einer Podiumsdiskussion ein. Der Titel – schon wieder: »Die Suche nach dem Garten Eden«. Zwei Archäologen, darunter Grabungsleiter Dr. Klaus Schmidt, erörterten gemeinsam mit zwei hochdotierten Theologen die Bedeutung von Göbekli Tepe für die Interpretation des Alten Testaments.

Wer eine Auseinandersetzung zwischen Wissenschaft und Glauben erwartet hatte, wurde enttäuscht: Im Großen und Ganzen kamen Archäologen und Theologen zum gleichen Ergebnis: Göbekli Tepe kann nichts mit dem Garten Eden zu tun haben, weil die biblische Geschichte nur eine fromme Legende sei. Die Geschichte des Volkes Israel verliere sich im Nebel der Überlieferung und in einer nachträglich konstruierten Historie und einem vom Menschen erdachten Monotheismus. Dr. Schmidt behauptete: »Gott ist ein Spätling«, die Besiedlung von Göbekli Tepe sei Jahrtausende vor der Zeit anzusiedeln, als die Bibel geschrieben wurde. Wer hat also wen erschaffen: der Gott der Bibel den Menschen im Paradies. Oder haben doch die Juden in der babylonischen Gefangenschaft einen Stammesgötzen zum einzigen Gott erhoben?

Wer schrieb wann die Bibel?

Die Grundlage dafür, dass sich Medien und Wissenschaftler (auch Theologen) gegen eine Gemeinsamkeit von Göbekli Tepe und der Bibel vehement verwehren, liegt in der gängigen Meinung über die Niederschrift der biblischen Geschichten: »Der Spiegel« berichtet wie von einer unumstößlichen Tatsache: »Niedergeschrieben hat all dies ein gelehrter Jude, der angeblich um 950 vor Christus als Schreiber am Hof von König Salomo lebte.« Nach dieser Aussage wurde der Schöpfungsbericht also erst sehr viel später niedergeschrieben, als er tatsächlich stattgefunden haben sollte. Und es kommt sogar noch schlimmer: »Der Heidelberger Bibelkundler Bernd-Jörg Diebner dagegen vermutet: Der geschliffene Text ist die Arbeit eines jüdischen Rabbiners aus dem 2. Jahrhundert vor Christus.« Wie kann also noch irgendjemand heute ernsthaft davon ausgehen, dass das Alte Testament zuverlässig und glaubwürdig sein soll?

Hier liegt der Knackpunkt der ganzen Geschichte: Wurde die Bibel tatsächlich erst zu so später Zeit niedergeschrieben und wurden nur Mythen von anderen Kulturen (wie zum Beispiel dem Gilgamesch-Epos, das ebenfalls von Schöpfung und Sintflut berichtet) übernommen, um eine eigene kulturelle Identität zu erschaffen. Wurde wirklich aus dem »kollektiven Gedächtnis« und der »mündlichen Überlieferung« die Frühgeschichte des jüdischen Volkes zusammengestellt? Wurde letztlich der monotheistische Gott »Jahwe« von seinen Gläubigen in den Jahrhunderten vor Christus erfunden? Dann dürften wir als aufgeklärte Christen nie wieder im Glaubensbekenntnis sprechen: »Ich glaube an Gott, den Vater, den Schöpfer des Himmels und der Erde.« Wer will ernsthaft an einen Gott glauben wollen, den irgendwelche Gefangenen in der Stadt Babylon im 6. Jahrhundert vor Christus erfunden haben!

Sackgasse oder neue Perspektiven?

Glücklicherweise gibt es aber gewichtige Belege dafür, dass tatsächlich Mose und Josua die nach ihnen benannten Bücher auch selbst verfasst haben. Nur passt das daraus resultierende Ergebnis nicht in das Bild der religionsgeschichtlichen Evolution vom Animismus über den Polytheismus zum Monotheismus und auch nicht zur mutmaßlich späten Entwicklung von Sprache und Schrift. Hier könnte nun eine ausführliche Betrachtung über die Historizität der Bibel erfolgen, doch möge der Hinweis auf die vielen Passagen im Buch genügen, die eine »bibeltreue« Interpretation der historischen Stätten und archäologischen Funde beschreiben.

Die Suche nach Eden auf neuer Grundlage

Wenn wir nun aber von der Glaubwürdigkeit der biblischen Überlieferung ausgehen, können wir unter neuen Gesichtspunkten nochmals eine Interpretation der Funde von Göbekli Tepe wagen und uns zum dritten Mal (nach dem Spiegel und den Wissenschaftlern in Karlsruhe) auf »die Suche nach dem Garten Eden« machen.

Wenn man in »Bible Earth« die Ausführungen über Eden (ab S. 43) und den Ararat (ab S. 49) liest und die Örtlichkeiten in Google Earth betrachtet, merkt man, dass Göbekli Tepe eher in die nachsintflutliche Zeit passt: Der Fundort liegt 550 Kilometer entfernt vom Berg Ararat, wo laut Bibel die Arche gelandet ist und von wo sich somit die Menschheit ausgebreitet haben muss. Von einer alternativen Lokalisierung des Ararat (Cudi Dagi) liegt Göbekli Tepe sogar nur 320 Kilometer entfernt. Bis zum Wohnort des Patriarchen Abraham – Haran – sind es vom »Nabelberg« aus 38 Kilometer, bis zur heutigen Stadt Sanliurfa (auch als Urfa oder Edessa bekannt, manche Ausleger vermuten dort das biblische Ur), sind es sogar nur 12 Kilometer! Kann es ein Zufall sein, das sich die älteste gefundene Kultstätte der Welt mitten im Zentrum der biblischen Frühgeschichte befindet? Kann es nicht daran liegen, dass irgend jemand in der Zeit zwischen Noah und Abraham dieses Heiligtum errichtet hat? Interessant ist der Satz in 1. Mose 8, 20: »Noah aber baute dem HERRN einen Altar und nahm von allem reinen Vieh und von allen reinen Vögeln und opferte Brandopfer auf dem Altar.«

Natürlich gibt es im Moment noch vielmehr Fragen als Antworten, doch die Faszination bleibt und die Suche geht weiter: Noch ist erst ein kleiner Teil von Göbekli Tepe ausgegraben. Vielleicht können in Zukunft weitere Puzzleteile in das Mosaik der menschlichen Frühgeschichte eingebaut werden. Und vielleicht lässt sich eines Tages intensiver der Frage nachgehen, was die Jungsteinzeit mit der biblischen Epoche zwischen Adam und Abraham zu tun hat.

© 21. August 2007, Timo Roller

Update: Bitte lesen Sie auch »Göbekli Tepe hochauflösend«


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